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Muskuloskelettales Syndrom der Menopause

Privat- und Selbstzahlersprechstunde

Handchirurgisch-orthopädische Spezialsprechstunde bei Gelenk-, Sehnen- und Muskelbeschwerden in den Wechseljahren.

Was passiert in der Perimenopause?

Die Perimenopause ist die Übergangsphase vor der letzten Regelblutung. Sie beginnt bei vielen Frauen bereits Mitte oder Ende 40 und kann sich über mehrere Jahre erstrecken. In dieser Zeit verändert sich die Produktion der beiden wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone – Östrogen und Progesteron – zunächst unregelmäßig, langfristig nimmt sie deutlich ab.

Östrogen ist weit mehr als ein „Zyklushormon“. Es beeinflusst unter anderem den Kollagenstoffwechsel, die Knochendichte, die Ernährung des Gelenkknorpels sowie die Elastizität von Sehnen, Bändern und Bindegewebe – und wirkt zusätzlich entzündungsmodulierend. Progesteron unterstützt den Knochenaufbau und wirkt im Zusammenspiel mit Östrogen regulierend auf den gesamten Stoffwechsel.

In nahezu allen Geweben des Bewegungsapparats – Sehnen, Knorpel, Muskulatur, Knochen – finden sich Rezeptoren für diese Hormone. Sinkt der Spiegel, verändert sich die Zusammensetzung des Kollagens, die Knorpelregeneration verlangsamt sich, der Knochenabbau überwiegt zunehmend dem Knochenaufbau, und die Muskelmasse nimmt ab. In der Fachliteratur wird dieser Beschwerdekomplex mittlerweile als „muskuloskelettales Syndrom der Perimenopause“ bezeichnet – Gelenk-, Sehnen- und Muskelbeschwerden, die viele Frauen in dieser Lebensphase betreffen.

Pathophysiologie: Was im Gewebe passiert

In Sehnen, Bändern, Gelenkknorpel, Muskulatur und der Gelenkinnenhaut (Synovia) sitzen sogenannte Östrogenrezeptoren (v. a. ERα und ERβ), über die das Hormon direkt auf diese Gewebe einwirkt. Bei ausreichendem Östrogenspiegel fördert es die Produktion von Kollagen Typ I, hemmt kollagenabbauende Enzyme (Matrix-Metalloproteinasen) und unterstützt die Bildung von Hyaluronsäure in Gelenkschmiere und Sehnenscheiden.

Fällt der Spiegel in der Perimenopause, kehrt sich dieses Gleichgewicht um: Die Kollagensynthese sinkt, der Abbau überwiegt, und das neu gebildete Kollagen ist strukturell schwächer vernetzt. Sehnen und Bänder verlieren dadurch an Zugfestigkeit und Elastizität – viele Frauen empfinden dies als „instabile“ oder „wacklige“ Gelenke, tatsächlich handelt es sich um eine verminderte Gewebequalität. Gleichzeitig verschlechtert sich die Gleitfähigkeit in den Sehnenscheiden, was Reibung und kleine Mikroverletzungen begünstigt – die Grundlage für schmerzhafte Sehnenscheidenentzündungen wie den schnellenden Finger oder die Tendovaginitis de Quervain.

Im Karpaltunnel kommt ein weiterer Mechanismus hinzu: Der Hormonabfall begünstigt eine leichte Flüssigkeitseinlagerung und Schwellung der Beugesehnenscheiden. Da der Karpaltunnel ein enger, unnachgiebiger Kanal ist, führt bereits eine geringe Schwellung zu erhöhtem Druck auf den Mittelarmnerv – die Ursache für das typische Kribbeln und Taubheitsgefühl beim Karpaltunnelsyndrom.

Auch der Gelenkknorpel besitzt Östrogenrezeptoren: Sinkt der Spiegel, überwiegen entzündungsfördernde Botenstoffe (u. a. Interleukin-1 und TNF-alpha), die den Knorpelabbau beschleunigen und die Arthroseprogression begünstigen. In der Muskulatur wirkt sich der Hormonmangel auf den Muskelproteinaufbau aus, was zusätzlich zur Sarkopenie beiträgt – eine schwächere Muskulatur kann Gelenke wiederum weniger gut stabilisieren und verstärkt so das Gefühl der Instabilität.

Orthopädische Krankheitsbilder

In dieser Lebensphase können unter anderem folgende Beschwerdebilder auftreten. Ihre Ursachen werden individuell abgeklärt:

Allgemein-orthopädisch

  • Diffuse Gelenkschmerzen (Arthralgien) ohne eindeutige strukturelle Ursache
  • Beschleunigte Arthrose-Progression, v. a. an Knie-, Hüft- und Wirbelsäulengelenken
  • „Frozen Shoulder“ (adhäsive Kapsulitis) – tritt gehäuft bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren auf
  • Muskelabbau (Sarkopenie) und muskulär bedingte Rückenschmerzen
  • Abnehmende Knochendichte bis hin zur Osteoporose mit erhöhtem Frakturrisiko

Handchirurgisch (Schwerpunkt unserer Sprechstunde)

  • Karpaltunnelsyndrom: Kribbeln, Taubheitsgefühl und nächtliche Schmerzen in den ersten drei Fingern durch Kompression des Mittelarmnervs, begünstigt durch Bindegewebs- und Sehnenscheidenveränderungen
  • Schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans): Reizung von Ringbändern und Beugesehnenscheiden mit Schnappphänomen beim Strecken des Fingers
  • Tendovaginitis de Quervain: schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung am daumenseitigen Handgelenk
  • Rhizarthrose (Daumensattelgelenksarthrose): eines der häufigsten handchirurgischen Krankheitsbilder bei Frauen in und nach den Wechseljahren
  • Fingerpolyarthrose (Heberden-/Bouchard-Arthrose): Verdickung und Schmerzen an End- bzw. Mittelgelenken der Finger, gehäuft perimenopausal auftretend
  • Bindegewebige Veränderungen der Hohlhand (Dupuytren-Kontraktur): ein hormoneller Einfluss wird diskutiert, ist aber weniger eindeutig belegt als bei den oben genannten Krankheitsbildern

Diagnostik

Da die Beschwerden vielfältig sind und andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen, gehen wir strukturiert vor:

  • Ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung der betroffenen Gelenke
  • Blutuntersuchung: Entzündungswerte (CRP, BSG) zum Ausschluss rheumatischer Erkrankungen sowie Vitamin-D-, Calcium- und Schilddrüsenwerte (TSH), da auch eine Schilddrüsenfunktionsstörung ähnliche Beschwerden verursachen kann
  • Bildgebende Diagnostik: Ultraschall und ggf. Röntgen der betroffenen Gelenke zur Beurteilung von Sehnen, Gelenkspalt und knöchernen Veränderungen
  • DXA-Messung (Knochendichtemessung): zur frühzeitigen Erkennung einer beginnenden Osteopenie oder Osteoporose, da das Frakturrisiko mit sinkendem Östrogenspiegel deutlich ansteigt

Warum wir Sexualhormone zu Beginn meist nicht bestimmen

In der Perimenopause schwanken die Konzentrationen von FSH, LH und Östradiol von Woche zu Woche und teils sogar innerhalb eines Zyklus erheblich, da die Eierstockfunktion nicht linear, sondern unregelmäßig nachlässt. Eine einzelne Blutentnahme liefert deshalb nur eine Momentaufnahme, die eine beginnende Perimenopause weder sicher bestätigen noch ausschließen kann: Ein unauffälliger Wert schließt sie nicht aus, ein grenzwertiger Wert beweist sie nicht.

Aus diesem Grund wird die Perimenopause nach aktuellen Leitlinien in erster Linie klinisch diagnostiziert – anhand des Alters (meist ab Mitte 40) und typischer Symptome wie unregelmäßigem Zyklus, Hitzewallungen, Schlafstörungen oder eben Gelenk- und Sehnenbeschwerden. Eine routinemäßige Bestimmung der Sexualhormone ist zu Beginn daher meist nicht notwendig und kann bei falscher Interpretation sogar zu unnötiger Verunsicherung führen.

Sinnvoll wird eine Hormonbestimmung insbesondere dann, wenn der Verdacht auf eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz (Menopause vor dem 45. Lebensjahr) besteht, die Zyklusveränderungen untypisch verlaufen oder andere endokrine Ursachen abgeklärt werden müssen. Diese Entscheidung treffen wir bei Bedarf gemeinsam mit Ihrer gynäkologischen Praxis.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Beschwerdebild und wird, wo immer möglich, zunächst konservativ – also ohne Operation – begonnen. In unserer Praxis stehen dafür unter anderem folgende Verfahren zur Verfügung:

  • Fokussierte Stoßwellentherapie (ESWT): Ob eine Behandlung mit Stoßwellen infrage kommt, hängt von der Diagnose und dem individuellen Befund ab.
  • ACP-Therapie (Autologes Conditioniertes Plasma): Dabei wird aufbereitetes körpereigenes Blutplasma injiziert. Ob das Verfahren sinnvoll ist, wird individuell beurteilt. Ein Behandlungserfolg ist nicht sicher vorherzusagen.
  • Hyaluronsäure-Injektionen: Ob diese Behandlung infrage kommt, hängt vom betroffenen Gelenk und dem Befund ab. Nutzen, Grenzen und Alternativen werden individuell besprochen.
  • Infusionstherapie: Vitamin- und Mikronährstoffinfusionen nach individueller ärztlicher Indikationsstellung.
  • Ergänzend: Physio- und Ergotherapie, Schienenversorgung (insbesondere bei Rhizarthrose) sowie angepasste Übungsprogramme

Reichen konservative Maßnahmen nicht aus, klären wir mit Ihnen patientenindividuell operative Optionen ab.

Medikamentöse Therapie

Ergänzend zu den oben genannten Verfahren kommen je nach Beschwerdebild verschiedene Medikamente infrage:

  • Schulmedizinische Schmerz- und Entzündungshemmer: nichtsteroidale Antirheumatika (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) oder Paracetamol zur kurzfristigen Linderung akuter Beschwerden, teils auch als lokale Gele oder Salben
  • Vitamin D und Calcium: zur Unterstützung des Knochenstoffwechsels, insbesondere bei nachgewiesenem Mangel oder erhöhtem Osteoporoserisiko
  • Phytotherapeutika: pflanzliche Präparate wie Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), Rotklee- oder Soja-Isoflavone werden häufig bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt; die Studienlage zur Wirkung auf Gelenk- und Muskelbeschwerden ist uneinheitlich
  • Hormonersatztherapie (Östrogen-/Progesteronsubstitution): kann muskuloskelettale Beschwerden in der Perimenopause positiv beeinflussen. Die Abklärung der Indikation sowie die Nutzen-Risiko-Abwägung und Durchführung gehören in die Hände Ihrer gynäkologischen Fachärztin bzw. Ihres Facharztes; bei Bedarf stimmen wir uns gerne interdisziplinär mit Ihrer gynäkologischen Praxis ab

Operative Therapie

Sollten alle konservativen Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen individuell die passende operative Lösung. Je nach Krankheitsbild kommen beispielsweise infrage:

  • Karpaltunnelsyndrom: Neurolyse – operative Entlastung des Mittelarmnervs
  • Schnellender Finger: Ringbandspaltung
  • Tendovaginitis de Quervain: Sehnenscheidenspaltung
  • Rhizarthrose: Resektionsarthroplastik (Trapezektomie) des Daumensattelgelenks
  • Fingerpolyarthrose: je nach betroffenem Gelenk Versteifung (Arthrodese) oder Gelenkersatz
  • Frozen Shoulder: arthroskopische Arthrolyse bei therapieresistenten Verläufen

Welches Verfahren im Einzelfall sinnvoll ist, klären wir ausführlich im persönlichen Gespräch mit Ihnen.

Sie erkennen sich in diesen Beschwerden wieder?

Vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Spezialsprechstunde.

Privat- und Selbstzahlersprechstunde · Abrechnung nach GOÄ.

Informationen zu Abrechnung und Erstattung

Beratung, Untersuchung und gegebenenfalls vereinbarte diagnostische oder therapeutische Leistungen werden in dieser Menopause-Sprechstunde privatärztlich nach GOÄ abgerechnet. Gesetzlich Versicherte können das Angebot auf ausdrücklichen Wunsch als Selbstzahler nutzen.

Vor Beginn erhalten Sie Informationen zu den voraussichtlichen Kosten und eine schriftliche Behandlungsvereinbarung. Ein gegebenenfalls bestehender Anspruch auf Kassenleistungen bleibt unberührt. Bei privat Versicherten richtet sich die Erstattung nach dem Versicherungsvertrag.

Dieser Text dient der allgemeinen Patienteninformation und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden vereinbaren Sie bitte einen Termin in unserer Sprechstunde.

Ihr behandelnder Arzt

Weiterführende Informationen

Termin in der Spezialsprechstunde

Nennen Sie bei der Terminvereinbarung bitte das Anliegen „Muskuloskelettales Syndrom der Menopause“. Bringen Sie vorhandene Befunde und eine aktuelle Medikamentenliste mit. Welche Untersuchungen infrage kommen und wie sie abgerechnet werden, klären wir vor Beginn.

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